Das vernetzte Kraftwerk im Einfamilienhaus

MDR Sachsen Region Leipzig bzw. die Torgauer Zeitung meldeten:

In einem privaten Einfamilienhaus in Schildau bei Torgau ist erstmals ein neuartiges Brennstoffzellen-Heizgerät installiert worden. Die Anlage versorgt das Einfamilienhaus zugleich mit Wärme und Strom.
Wie das sächsische Wirtschaftsministerium mitteilte, ist das Projekt Bestandteil einer europäischen Brennstoffzellen-Demonstration. In Sachsen werde die Brennstoff-Technologie von Unternehmen unter dem Dach "Energy Saxony" vorangetrieben.

Entwickelt wurde die Heizungsanlage vom Remscheider Heiz-, Lüftungs- und Klimatechnikspezialisten Vaillant. Knapp 80 Haushalte will Vaillant mit der neuen Technologie demnächst ausstatten. Natürlich durfte bei einem solchen Anlass auch Vaillants langjähriges Partnerunternehmen "sunfire" nicht fehlen, das die komplizierte Brennstoffzellen-Technologie entwickelt hat. Die Anlage von Familie Seidewitz funktioniert auf Basis der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Sie erzeugt gleichzeitig Wärme und Strom und ist speziell für den Einsatz in Ein- und Zweifamilienhäusern konzipiert. Nach Herstellerangabe erzielt ein solches System im Vergleich zu üblichen KWK-Anlagen eine deutlich höhere Effizienz. Brennstoffzellen sollen helfen, die Energiekosten zu verringern - vorsichtig angedeutet wurden gestern zwischen 700 und 1000 Euro im Jahr.

Wolfgang Seidewitz in seinem Keller mit der Brennstoffzellen-Heizung.
Nach Ansicht von Staatsminister Morlok trägt Sachsen mit dem Ausbau der Brennstoffzellen-Technologie zur Energiewende in Deutschland bei. Vor allem in Dresden hätten sich zahlreiche Unternehmen angesiedelt, die mit der Hocheffizienztechnologie arbeiten. Eines davon ist "sunfire". Staatsminister Sven Morlok lockte. Er und Hausherr Wolfgang Seidewitz nahmen an dem Steuerungsterminal nach etlichen einleitenden Worten die erste Anlage in Sachsen in Betrieb, die im Rahmen eines europaweiten Brennstoffzellen-Praxistests installiert wurde.

Doch warum steht das moderne Heizgerät nun ausgerechnet in Sitzenroda und nicht etwa in der Landeshauptstadt? Der technikbegeisterte Wolfgang Seidewitz suchte nach einer Ablösung für seine alte Gasheizung, die Anfang der 90er-Jahre eingebaut wurde. Über die Heizungsfirma von Gerd Dorozalla aus Torgau kam letztlich der Kontakt zur Vaillant-Forschungsabteilung zustande. Erste Gespräche hierzu liefen bereits im Februar. Dabei ging es Wolfgang Seidewitz natürlich um den Faktor Kosteneinsparung, aber auch um Innovation. Drei Jahre lang läuft seine Heizung nun in einer Art Testbetrieb, wird vom Vaillant-Sitz in Remscheid ferngewartet. Inwiefern sich die Kosten tatsächlich reduzieren, muss nun abgewartet werden. "Sämtliche Stromabnehmer im Haus können fortan digital überwacht werden", erläuterte ein sichtlich stolzer Hausherr. Dadurch sei es möglich, Auswirkungen auf die Effizienz der Brennstoffzelle sofort sichtbar zu machen.
Funktionsweise:
Das neue Heizgerät erzeugt gleichzeitig bis zu 1 kW Strom und 2 kW Wärme. Das Herzstück des Systems bilden Hochtemperatur-Brennstoffzellen, die aus eingesetztem Erdgas oder auch Bio-Erdgas Wasserstoff gewinnen. Bei der anschließenden Reaktion von Wasserstoff mit Sauerstoff entstehen Wärme und Strom. Beides wird direkt im Haushalt und ohne Leitungsverluste verwendet. Vaillant teilte mit, dass die Zuverlässigkeit der bisher in Betrieb gegangenen Erprobungsanlagen mit 97 Prozent sehr hoch sei.

Quellen:

 

 

 


 

MDR Sachsen Region Leipzig

Torgauer Zeitung vom 12.8.2014, Foto: TZ/C. Wendt

Bilder vom Pressefotograf M. Schmidt
Na dann Prost!